Dalgopol, Bulgarien: Stausee Zonewo, Wunderfelsen und das Tal der Luda Kamtschija
Dalgopol in Bulgarien, im östlichen Balkanvorland westlich von Varna: Wunderfelsen am Stausee Zonewo, Tal der Luda Kamtschija, Felsenkloster, Höhlen, Museum und Bahn.
Dalgopol (bulgarisch Дългопол) ist die bewaldete Hügelecke der Oblast Varna, in der die Ebene endet und der östliche Balkan beginnt: ein kleines Städtchen rund 73 km westlich von Varna, ein langer Stausee an der Luda Kamtschija und an seinem Ufer die Kalksteinnadeln der Wunderfelsen. Die Stadt ist das Zentrum einer Gemeinde mit rund 441 km² und 17 Ortschaften (Wikipedia, bulgarisch). Ein Ferienort ist Dalgopol nicht, und touristische Infrastruktur gibt es kaum, doch landschaftlich ist es der schönste Tagesausflug der Oblast, und die Bahn fährt mitten hindurch.
Wo liegt Dalgopol?
Die Gemeinde füllt die Südwestecke der Oblast Varna. Im Norden grenzt sie an Prowadija, im Osten an Dolni Tschiflik, im Süden an Ruen (Oblast Burgas) und im Westen an Smjadowo (Oblast Schumen). Sie reicht in drei Naturräume: im Süden die östlichsten Ausläufer des Warbiza-Gebirges und die westlichsten des Kamtschija-Gebirges im östlichen Balkan, im Westen das Vorbalkan-Hügelland und im Norden die Südhänge des Rojak-Plateaus. Der höchste Punkt mit 563 m liegt südwestlich von Poljazite (Wikipedia, bulgarisch).
Zwei Flüsse prägen das Bild. Die Goljama Kamtschija fließt von West nach Ost durch die Mitte, die Luda Kamtschija („wilde Kamtschija“) kommt im Süden durch eine tiefe Schlucht aus dem Balkan. Südlich von Welitschkowo vereinigen sie sich zur Kamtschija, die südlich von Varna ins Schwarze Meer mündet (Wikipedia, bulgarisch).
Die Stadt hieß bis 1934 Nowo Selo (türkisch Yeniköy) und ist seit 1969 eine Stadt (Wikipedia, bulgarisch).
Die Wunderfelsen: der Hauptgrund für die Fahrt
Die wichtigste Sehenswürdigkeit der Gemeinde sind die Tschudnite Skali, die Wunderfelsen, am rechten Ufer des Stausees Zonewo in der Flur von Asparuchowo. Rund zehn Felsnadeln ragen 15 und 40–50 m auf, geformt von Wind und von der Luda Kamtschija, die sich in den weichen Kalkstein gegraben hat. Ein Regierungsbeschluss vom 17. Februar 1949 erklärte die 12,5 ha zum Naturdenkmal; Eingriffe, die Felsen und Landschaft beschädigen, sind verboten (Gemeinde Dalgopol).
Die Felsen liegen rund 4 km südlich von Asparuchowo. Die Straße nach Dobromir führt durch drei Tunnel im Fels, weshalb die Einheimischen den Ort einfach „die Tunnel“ nennen; das Gebiet überschneidet sich teilweise mit dem Vogelschutzgebiet Kamtschijska Planina (Wikipedia, bulgarisch). Laut Gemeinde gibt es entlang der Straße gute Stellen für Fotos. Nehmen Sie Wasser und festes Schuhwerk mit: Offizielle Angaben zu Parkplätzen, Einrichtungen oder Führungen haben wir nicht gefunden.
Stausee Zonewo und das Tal der Luda Kamtschija
Hinter den Felsen erstreckt sich der Stausee Zonewo, offiziell noch immer „Georgi Traikow“, nach dem Politiker, nach dem er 1975 benannt wurde. Er ist seit 1974 in Betrieb, rund 28 km lang und fasst 330 Mio. m³ hinter einem 39 m hohen und 890 m langen Erddamm einen Kilometer westlich des Dorfes Zonewo (Wikipedia). Das Wasser dient vor allem Industrie und Bewässerung, auch für die Industriezone Varna–Dewnja, und ist Notreserve für Varnas Trinkwasser. Ein Straßen- und ein Eisenbahnviadukt queren den See (Wikipedia, bulgarisch).
Gut zu wissen:
- Der Wasserstand schwankt stark. Laut bulgarischer Wikipedia fiel das obere Ende des Sees ab Ende 2019 drastisch trocken, 2022 war der Pegel wieder normal, seit 2024 sinkt er erneut kritisch. Rechnen Sie nicht mit einem vollen See.
- Baden und Angeln: Tal und Stauseen sind bei Anglern und Urlaubern beliebt, Wikipedia nennt Karpfen, Wels, Barsch, Brachse und weitere Arten. Eine offizielle Seite mit aktuellen Regeln zum Baden oder Angeln haben wir nicht gefunden. Fragen Sie vor Ort und beachten Sie Schilder.
Oberhalb des Sees fließt die Luda Kamtschija durch eine tiefe Schlucht zwischen Warbiza- und Kamtschija-Gebirge; von Asparuchowo bis Wedrowo folgt die Bahnstrecke Richtung Karnobat ihrem Tal (Wikipedia, bulgarisch), ein schöner Abschnitt für den Blick aus dem Zugfenster.
Asparuchowo, das Dorf am See
Asparuchowo, von seinen Bewohnern bis heute Tschenge genannt, liegt am Beginn des Passes über den Balkan. 1970 versank ein Großteil des alten Dorfes im Stausee, und der Ort zog den Hang hinauf. Die Zellenschule aus der Zeit der Wiedergeburt und die Steinkirche von 1857 wurden komplett versetzt und bilden heute mit alten Häusern das ethnografische Reservat Owtschaga. Owtschaga hieß auch die mittelalterliche Festung, die laut dem byzantinischen Chronisten Manuel Philes 1277–1279 auf der Seite von Zar Iwailo kämpfte (Wikipedia, bulgarisch). Seit 2013 gibt es jedes Jahr am 14. Oktober ein Honigfest (Wikipedia, bulgarisch). Unterkünfte finden sich vor allem in Asparuchowo und Zonewo.
Felsenkloster, Wasserfall und Höhlen
Die Gemeinde nennt drei schwerer erreichbare Ziele (Gemeinde Dalgopol):
- Felsenkloster Rojak, rund 2 km vom Dorf Rojak in der Flur Dschenewis Kanara am Rand des Rojak-Plateaus. Forscher sehen darin ein thrakisches Heiligtum, das im Mittelalter zum christlichen Kloster wurde. In der Vorhalle der Kirche sind noch Inschriften über die Gründung zu sehen, die die Zaren Michail Assen und Iwan Alexander nennen; die Zellen liegen auf mehreren Ebenen beiderseits der L-förmigen Felswand (Gemeinde Dalgopol).
- Wasserfall Kusa Skoka zwischen Lopuschna und Poljazite: 10 m Fallhöhe und ein kleines Becken, aber Wasser vor allem zur Schneeschmelze und nach starkem Regen – also Ende Winter oder Frühjahr (Gemeinde Dalgopol).
- Tulumowa-Höhle bei Arkowna, seit 1968 geschützt, 3 ha am Südosthang des Hügels Goljama Arkowna, Quartier geschützter Fledermäuse (Gemeinde Dalgopol). Rund um Arkowna gibt es über fünfzehn Höhlen, die Hälfte tiefer als 20 m (Wikipedia, bulgarisch). Höhlen nur mit erfahrener Begleitung betreten und Fledermäuse nicht stören.
Im Dorf Arkowna wurde die Kirche Hl. Demetrios als Wohnhaus gebaut, 1891 umgebaut und 1897 geweiht; laut Gemeinde ist sie die älteste der Gegend und wurde 2004 saniert (Gemeinde Dalgopol).
Das Historische Museum in Dalgopol
Das Museum begann 1948 als Schulsammlung des Lehrers und Enzyklopädisten Dimitar Slatarski, wurde 1975 staatlich und zog 1985 in einen Neubau im Zentrum (Gemeinde Dalgopol). Die archäologische Abteilung umfasst alle Epochen von der Altsteinzeit bis ins späte Mittelalter. Zu den Funden aus der Gegend gehören die jungsteinzeitliche Siedlung Usoe bei Asparuchowo, die nach dem Siedlungshügel beim Dorf Sawa benannte „Sawa-Kultur“, ein thrakisch-römisches Heiligtum mit Reliefs des Thrakischen Reiters und ein slawisches Dorf (Wikipedia, bulgarisch). Auch Gegenstände aus dem Alltag der Mönche von Rojak sind ausgestellt. Offizielle Öffnungszeiten haben wir nicht gefunden; rufen Sie vorher bei der Gemeinde an.
Wie kommt man von Varna nach Dalgopol?
- Auto: am flexibelsten. Laut OSRM sind es rund 73 km bis Dalgopol (etwa 70 Minuten) und rund 87 km bis zu den Wunderfelsen (etwa 1 Std. 30 Min.), über Prowadija.
- Bahn: Dalgopol und Asparuchowo sind Bahnhöfe an der Strecke von Varna Richtung Karnobat, Welitschkowo hat einen Haltepunkt; in Asparuchowo halten Personenzüge nach Varna, Karnobat und Burgas (Wikipedia, bulgarisch). Arkowna hat einen Halt an der Strecke Schumen–Komunari. Aktuelle Zeiten im BDZ-Fahrplan (razpisanie.bdz.bg) prüfen.
- Bus: Der Online-Fahrplan des Busbahnhofs Varna führt Dalgopol als Ziel (Busbahnhof Varna); Abfahrten dort prüfen oder telefonisch erfragen.
Ein guter Tag: über Prowadija nach Dalgopol, Museum, weiter nach Asparuchowo zu den Wunderfelsen und zurück. Wer lieber nach Nordwesten fährt, findet im Reiter von Madara und Schumen einen eigenen lohnenden Tagesausflug.
Koordinaten © OpenStreetMap contributors.
Quellen
- Gemeinde Dalgopol – Historische und natürliche Sehenswürdigkeiten (bulgarisch)
- Gemeinde Dalgopol – Wunderfelsen, Asparuchowo (bulgarisch)
- Gemeinde Dalgopol – Felsenkloster Rojak (bulgarisch)
- Gemeinde Dalgopol – Wasserfall Kusa Skoka, Lopuschna (bulgarisch)
- Gemeinde Dalgopol – Tulumowa-Höhle, Arkowna (bulgarisch)
- Gemeinde Dalgopol – Kirche Hl. Demetrios, Arkowna (bulgarisch)
- Gemeinde Dalgopol – Historisches Museum (bulgarisch)
- Wikipedia (bulgarisch) – Dalgopol
- Wikipedia (bulgarisch) – Gemeinde Dalgopol
- Wikipedia (bulgarisch) – Stausee Zonewo
- Wikipedia (bulgarisch) – Luda Kamtschija
- Wikipedia (bulgarisch) – Tschudni Skali (Wunderfelsen)
- Wikipedia (bulgarisch) – Asparuchowo (Oblast Varna)
- Wikipedia (bulgarisch) – Arkowna
- Wikipedia (bulgarisch) – Welitschkowo
- Wikipedia (englisch) – Tsonevo Reservoir
- Busbahnhof Varna – Abfahrten
- OpenStreetMap contributors (Koordinaten, ODbL)
- OSRM (Straßenentfernungen ab Varna-Zentrum)
Die Liste 8
✨ Ausgewählt nach aktueller Uhrzeit und Wetter in Varna
Wunderfelsen (Tschudnite Skali)✨ Passt gerade jetzt
Etwa zehn Kalksteinnadeln von 15 und 40–50 m Höhe am Ufer des Stausees Zonewo, geformt von Wind und Wasser der Luda Kamtschija; Naturdenkmal seit 17. Februar 1949, 12,5 ha. Die Straße führt durch drei Felstunnel.
Stausee Zonewo (Georgi Traikow)✨ Passt gerade jetzt
28 km langer See an der Luda Kamtschija am Rand des östlichen Balkans; Erddamm 39 m hoch und 890 m lang, rund einen Kilometer westlich des Dorfes Zonewo. Straßen- und Eisenbahnviadukt queren ihn; am oberen Ende zuletzt sehr wenig Wasser.
Felsenkloster Rojak✨ Passt gerade jetzt
In den Fels gehauenes Kloster rund 2 km von Rojak am Rand des Rojak-Plateaus (Flur Dschenewis Kanara). Ursprünglich ein thrakisches Heiligtum, im Mittelalter christliches Kloster; Inschriften nennen die Zaren Michail Assen und Iwan Alexander. Schwer erreichbar.
Wasserfall Kusa Skoka✨ Passt gerade jetzt
10 m hoher Wasserfall mit kleinem Becken zwischen Lopuschna und Poljazite. Er führt vor allem zur Schneeschmelze und nach starkem Regen Wasser, also am besten Ende Winter oder im Frühling. Schwer erreichbar.
Tulumowa-Höhle✨ Passt gerade jetzt
3 ha großes Schutzgebiet am Südosthang des Hügels Goljama Arkowna, Lebensraum geschützter Fledermausarten; schwer zugänglich. Rund um Arkowna gibt es über fünfzehn Höhlen.
Kirche Hl. Demetrios, Arkowna✨ Passt gerade jetzt
Als Wohnhaus gebaut, 1891 zur Kirche umgebaut und 1897 geweiht – die älteste Kirche der Gemeinde; 2004 unter Erhalt des ursprünglichen Aussehens saniert.
Historisches Museum Dalgopol✨ Passt gerade jetzt
1948 als Schulsammlung vom Lehrer Dimitar Slatarski gegründet, seit 1975 staatliches Museum, seit 1985 im eigenen Neubau im Zentrum; Archäologie von der Altsteinzeit bis zum späten Mittelalter, Volkskunde und Funde aus dem Felsenkloster Rojak.
Ethnografisches Reservat Owtschaga, Asparuchowo✨ Passt gerade jetzt
Alte Häuser mit Zellenschule und Kirche der Hl. Petka, die vor der Flutung des alten Dorfes 1970 umgesetzt wurden (Wikipedia). Am 14. Oktober findet ein Honigfest statt.
Häufige Fragen
Was gibt es in Dalgopol zu sehen?
Die Gemeinde nennt sechs Sehenswürdigkeiten: die Wunderfelsen (Tschudnite Skali) am Stausee Zonewo bei Asparuchowo, das Felsenkloster bei Rojak, den Wasserfall Kusa Skoka bei Lopuschna, die geschützte Tulumowa-Höhle und die Demetrios-Kirche in Arkowna sowie das Historische Museum in Dalgopol. Dazu kommen der Stausee selbst und das Tal der Luda Kamtschija.
Wo liegen die Wunderfelsen und kommt man mit dem Auto hin?
Am rechten Ufer des Stausees Zonewo, rund 4 km südlich von Asparuchowo, in einem 12,5 ha großen Naturdenkmal, das seit 1949 geschützt ist. Laut Gemeinde führt eine Landstraße dritter Ordnung hin, mit guten Fotostopps; die Straße zwischen Asparuchowo und Dobromir führt durch drei Felstunnel. Ab Varna-Zentrum sind es rund 87 km (OSRM).
Sind Stausee Zonewo und Stausee Georgi Traikow dasselbe?
Ja. Bei der Fertigstellung 1974 hieß der See Zonewo, 1975 wurde er nach dem Politiker Georgi Traikow umbenannt, und dieser Name gilt formal bis heute. Auf Karten und im Alltag heißt er meist Zonewo.
Darf man im Stausee Zonewo baden oder angeln?
Laut Wikipedia ziehen Tal und Stauseen Angler und Urlauber an, genannt werden Karpfen, Wels, Barsch, Brachse und andere Arten. Eine offizielle Seite mit aktuellen Bade- oder Angelregeln haben wir jedoch nicht gefunden; fragen Sie vor Ort. Am oberen Ende des Sees ist der Wasserstand seit 2024 laut Wikipedia kritisch niedrig.
Fährt ein Zug von Varna nach Dalgopol?
Ja. Dalgopol und Asparuchowo sind Bahnhöfe an der Strecke von Varna Richtung Karnobat; in Asparuchowo halten Personenzüge nach Varna, Karnobat und Burgas (Wikipedia). Von dort sind es noch einige Kilometer bis zu den Wunderfelsen. Fahrzeiten vorab im BDZ-Fahrplan prüfen.
