
Bulgarien und Russland: Geschichte von 1878, 3. März und Sowjetdenkmälern
Bulgariens Bindung an Russland geht auf den Krieg von 1877/78 zurück, der die osmanische Herrschaft beendete. Teil der UdSSR war es nie. Der Denkmalstreit.
Bulgariens Bindung an Russland geht vor allem auf den Russisch-Osmanischen Krieg von 1877/78 zurück, der fast 500 Jahre osmanischer Herrschaft beendete und zur Wiederherstellung eines bulgarischen Staates führte. Der am 3. März 1878 in San Stefano unterzeichnete Frieden ist der Grund, warum der 3. März Nationalfeiertag ist. Teil Russlands oder der Sowjetunion war Bulgarien nie, und heute sind die Bulgaren uneins darüber, wie mit Symbolen der Sowjetzeit umzugehen ist.
Stand: Oktober 2026. Diese Seite erklärt Geschichte und ergreift keine Partei.
Was geschah 1878?
Russland erklärte dem Osmanischen Reich 1877 den Krieg. Laut Radio Bulgarien (BNR) fielen 66.130 russische Soldaten (die Angaben zu den russischen Verlusten variieren je nach Quelle), an ihrer Seite kämpften bulgarische Freiwillige. Der Frieden von San Stefano (3. März 1878, 19. Februar alten Stils) schuf ein großes autonomes Bulgarien, doch die Großmächte revidierten ihn auf dem Berliner Kongress: Der Berliner Vertrag vom 13. Juli 1878 ließ ein deutlich kleineres Fürstentum übrig. Russische Truppen zogen am 27. Juli 1878 in Varna ein, so die BTA. Die volle Unabhängigkeit erklärte Bulgarien am 5. Oktober 1908 in Tarnowo.
Warum ist der 3. März Nationalfeiertag?
Der Tag erinnert an San Stefano. Laut BNT wurde er erstmals 1880 begangen, ist seit 1888 Tag der Befreiung, wurde 1978 zum Nationalfeiertag erklärt und 1990 per Parlamentsbeschluss in die offiziellen Feiertage aufgenommen – deshalb finden Sie mal 1978, mal 1990 als Startjahr. Mehr dazu auf unserer Schwesterseite: Feiertage in Bulgarien.
Warum fühlen sich viele Bulgaren Russland nahe?
Nachschlagewerke nennen mehrere Gründe: Dankbarkeit für 1878, den gemeinsamen orthodoxen Glauben, eng verwandte slawische Sprachen und das kyrillische Alphabet, das im mittelalterlichen Bulgarien entstand und später in Russland übernommen wurde (siehe unseren Kyrillisch-Leitfaden). Ungetrübt war das Verhältnis aber nicht: Im Ersten Weltkrieg kämpfte Bulgarien auf der Gegenseite Russlands, 1941 trat es den Achsenmächten bei.
War Bulgarien Teil der Sowjetunion?
Nein. Die Sowjetunion erklärte Bulgarien am 5. September 1944 den Krieg, die Rote Armee marschierte wenige Tage später ein. Im September 1946 folgte eine kommunistische Volksrepublik; sie war ein enger Verbündeter Moskaus und Gründungsmitglied des Warschauer Pakts (1955), blieb aber ein eigener Staat. Das Regime bat 1963 und 1973 sogar um Aufnahme in die UdSSR – wie ernst das gemeint war, ist unter Historikern umstritten. Todor Schiwkow wurde am 10. November 1989 entmachtet; das ebnete den Weg zu Mehrparteienwahlen 1990.
Worum geht es im Streit um die Sowjetdenkmäler?
Befürworter sehen in den Denkmälern Dankbarkeit und Erbe, Gegner Symbole sowjetischer Vorherrschaft. In Sofia begann am 12. Dezember 2023 der Abbau des Denkmals der Sowjetarmee (1954). In Plowdiw schlugen PP–DB-Stadträte im Januar 2024 vor, „Aljoscha“ (1957) zu entfernen; es sei „nicht Teil der kulturellen Tradition und des kollektiven Gedächtnisses von Plowdiw“, berichtete RFE/RL. Bürgermeister Kostadin Dimitrow nannte das keine Priorität, und am 16. Januar 2024 verurteilte die russische Staatsduma den Vorschlag, meldete TASS. Zu den heutigen Beziehungen und Umfragen: Ist Bulgarien prorussisch?
Was bedeutet das für Besucher in Varna?
Jedes Jahr am 27. Juli feiert Varna seine Befreiung mit einer Kranzniederlegung am Denkmal im Hof des Geistlichen und Bildungszentrums St. Erzengel Michael, wo die Einwohner 1878 die russischen Truppen begrüßten, berichtete die BTA. Landesweit zählt der BNR über 400 Gedenkstätten des Krieges. Mehr Hintergrund bieten Varnas Geschichte und die Schlacht bei Varna 1444.
Quellen
- Treaty of San Stefano – Wikipedia
- Bulgarian Declaration of Independence – Wikipedia
- BNT (3. März, 3.3.2019)
- Radio Bulgarien / BNR (Denkmäler des Krieges 1877/78, 3.3.2024)
- BTA (Varna feiert 148 Jahre Befreiung, 27.7.2026)
- Bulgaria–Russia relations – Wikipedia
- People's Republic of Bulgaria – Wikipedia
- Warsaw Pact – Wikipedia
- Monument to the Soviet Army, Sofia – Wikipedia
- BTA (12.12.2023)
- RFE/RL (Sofia Soviet Army monument)
- RFE/RL (Debatte um „Aljoscha“ in Plowdiw, 17.1.2024)
- TASS (Erklärung der Staatsduma, 16.1.2024)
Häufige Fragen
Warum fühlen sich viele Bulgaren Russland nahe?
Nachschlagewerke nennen den Krieg von 1877/78, der die osmanische Herrschaft beendete, den gemeinsamen orthodoxen Glauben, eng verwandte slawische Sprachen und das kyrillische Alphabet, das aus dem mittelalterlichen Bulgarien nach Russland kam, sowie vier Jahrzehnte enger Bindung in der Sowjetzeit. Heute gehen die Meinungen auseinander, wie der Streit um die Sowjetdenkmäler zeigt.
Warum ist der 3. März Nationalfeiertag?
Er erinnert an den Frieden von San Stefano vom 3. März 1878, der den Russisch-Osmanischen Krieg beendete und einen bulgarischen Staat wiederherstellte. Laut BNT wurde er 1978 zum Nationalfeiertag erklärt und 1990 per Parlamentsbeschluss in die offiziellen Feiertage aufgenommen.
War Bulgarien jemals Teil Russlands oder der Sowjetunion?
Nein. Bis 1878 gehörte Bulgarien zum Osmanischen Reich, danach war es Fürstentum, ab 1908 unabhängiges Königreich und von 1946 bis 1990 ein eigener kommunistischer Staat, mit Moskau im Warschauer Pakt verbündet, aber nie Sowjetrepublik.
Was geschah mit dem Denkmal der Sowjetarmee in Sofia?
Der Abbau des Denkmals von 1954 begann am 12. Dezember 2023. Zunächst sollte es im Museum für sozialistische Kunst gezeigt werden, doch die Museumsleitung sagte RFE/RL, dafür fehle der Platz. Einen dauerhaften neuen Standort haben wir bis Oktober 2026 nicht angekündigt gefunden.
Worum geht es beim Streit um das „Aljoscha“-Denkmal in Plowdiw?
Im Januar 2024 schlugen Stadträte der Koalition PP–DB vor, die Statue eines Sowjetsoldaten von 1957 zu entfernen; der Bürgermeister nannte das keine Priorität, und die russische Staatsduma verurteilte die Idee, berichteten RFE/RL und TASS. Einen Beschluss zur Entfernung haben wir bis Oktober 2026 nicht gefunden.



